Es ist noch speziell; so ein Skiweekend im Tessin. Das kannte ich bis dahin nur im Zusammenhang mit Merlot, Ascona, Baden oder als jenen Teil der Schweiz, der hinter dem Gotthard beginnt und irgendwo vor Mailand aufhört. Aber Skifahren ?
Erich hatte aber bei der Auswahl ein goldenes Händchen, nur wusste er das damals noch nicht. Der Winter 06/07 war eigentlich ein miserabler Sommer. T-shirt-Wetter praktisch jeden Tag, die Krokusse sprossen im Garten und kein Schnee weit und breit. Ausser eben: im Tessin. Zwar auch nicht gerade in riesigen Mengen aber im Vergleich zu Orten wie Gstaad, Meiringen und anderen hatte es wenigsten welchen.
Wie immer am Samstag Morgen war Treffpunkt auf dem Parkplatz der Schiggi in Sissach. Ein gedämpftes „guten Morgen“ mitten in der Nacht und los ging’s. Zügig Richtung Gotthard. Nach einem Kaffeehalt (!!!) vor dem Berg ging’s anschliessend durch den Berg und kaum aus dem Berg rechts abgebogen standen wir auch schon vor der Talstation in Airolo. Sah etwas komisch aus – Ski- und Snowbordfahrer mitten in den grünen Wiesen. Auf in die Seilbahn und hochgefahren. Oben über die Kante und siehe da: Schnee, also wenigsten weiss. Eine Woche vorher war Erich noch zum Probefahren auf allen Pisten unterwegs, heute ist die Hälfte der Bahnen geschlossen. Also das heisst, eigentlich sind nur 2 Lifte offen – aber die Hälfte von 4 ist eben nun mal 2.
Was soll’s, wären wir im Berner Oberland hätten wir gar keinen Schnee. Bei schönem Wetter und unverfroren (also wegen der Wärme) ging’s rauf und runter. Unsere Snöber hatten etwas Mühe mit dem Skilift und auch einige wenige Skifahrerinnen (ich betone ausdrücklich –fahrerinnen) konnten sich mit einem Lift der einem hinunter statt hinauf zog, nur schwer anfreunden. Aber der Tag war lang und so hatten sich alle mehr oder weniger mit dieser Tatsache abfinden können. Das einzige Bergrestaurant lag um die Mittagszeit wunderbar in der Sonne – aber hatte keine dafür vorgesehene Terrasse. Schon komisch diese Tessiner. Wir konnten einen Mitarbeiter (also eigentlich eher einen der einfach so dort war) überzeugen, einige Tische und Bänke hinzustellen. Kaum hingestellt und das Essen geholt, wussten wir warum die keine solche Terrasse hatten – die Sonne war nämlich bereits wieder hinter den Bergspitzen verschwunden. Genau 30 Minuten haben die dort Sonne – mit ein Grund, warum dort überhaupt noch Schnee lag. Nach einigem rauf und runter wartete die letzte Gondel. Einzelne hatten etwas Mühe mit dem Drehkreuz, aber das lag eher an diesen als am Drehkreuz. Es kamen auf jeden Fall alle heil wieder runter und auf ging’s zum Hotel „des Alpes“
Jeder kennt das Spiel mit den Stühlen (1 Stuhl weniger als Teilnehmer und alle versuchen hinzusitzen), das geht auch mit Zimmerschlüsseln. Es gab Schlüssel ohne Zimmer, Zimmer ohne Schlüssel und Schlüssel ohne Nummern. Das war lustig….
Nachdem dann jeder und jede eine mehr oder weniger passende Zimmernummer gefunden hatte, ging’s erst richtig los. Mein Zimmer ist zu klein, ich habe kein Bad, bei uns hat noch jemand Platz, ich will nicht im 1. Stock usw. usf. Jeder der den Tauchclub auch nur ein bisschen kennt, kann sich vorstellen, was da los war (ich bin nicht sicher, ob die je wieder Zimmer an einen Tauchclub vermieten).
Einige sassen in rekordverdächtigem Tempo schon beim Apéro. Es kamen immer mehr und irgendwann war angerichtet. Nach dem Essen wurde gedöggelet oder sonst dumm geredet. Die Jungfrauschaft suchte vergebens ein Nachtleben, die gesetzteren Semester liessen den Abend am Kaminfeuer und mit dem neuerfundenen ei-wem-gehört-denn-dieser-gelbe-Schlappen-Spiel ausklingen. Einige naschten beim ins-Bett-gehen schon vom Zmorgenbuffet – was die Wirtin nicht wirklich lustig fand.
Am Morgen wurde dann die Hotel-Crew schon wieder gestresst. Alles was irgendwie nach Brot aussah oder nach Saft schmeckte wurde gegessen und getrunken (eben – wahrscheinlich waren wir der letzte Tauchclub in diesem Hotel).
Alles zusammengepackt (ein Wunder) und wieder auf den Berg. Heute Sonntag ist Skitesttag. Und es gab einen, der hatte seine 2-Meter-Latten (mit diesen fällt man heute übrigens auf wie wenn man gelbe Schlappen anhat) gegen so moderne kurze und in der Mitte irgendwie verengten Skis getauscht. Vom allseits prophezeiten Aha-Erlebnis hat dieser allerdings nicht viel gespürt. Aber was solls – wenn man Skifahren kann ist das Material zweitrangig.
Das Skiabo wurde von den meisten ausgenutzt – andere nahmen es etwas gemütlicher. Nachdem sich allgemein herumgesprochen hatte, dass Café alla Casa und Schumeli-Pflumeli in dieser Ecke der Welt „Caffè Pescium“ heisst, stand auch diesem Vergnügen nichts mehr im Weg.
Aber auch dieser Tag ging vorbei und uns stand noch eine etwas längere Heimfahrt bevor. Unterwegs kurz angehalten, trafen alle wieder heil im Baselbiet (und einige wenige im Urnerland) ein. Wieder ein gelungenes Skiweekend und wir freuen uns bereits auf das nächste Jahr.